Wer neu in die Filipino Martial Arts (FMA) einsteigt, stolpert fast immer über dieselbe Frage: Trainiere ich jetzt Eskrima, Kali oder Arnis – und ist das überhaupt dasselbe? Die kurze Antwort: im Kern ja, im Detail kommt es darauf an, wen man fragt. Die etwas längere Antwort lohnt sich, weil sie viel über die Philippinen selbst erzählt.
Ein Land, viele Inseln, viele Namen
Die Philippinen bestehen aus über 7.000 Inseln, aufgeteilt in drei große Regionen: Luzon im Norden, die Visayas in der Mitte und Mindanao im Süden. Genau wie sich Dialekte und Bräuche von Region zu Region unterscheiden, hat sich auch die Kampfkunst der Inseln unter verschiedenen Namen entwickelt – nicht weil es unterschiedliche Kampfkünste wären, sondern weil sie an unterschiedlichen Orten mit unterschiedlichen Wörtern belegt wurden.
Als grobe Faustregel gilt:
- Arnis – vor allem in Luzon gebräuchlich, vermutlich abgeleitet vom spanischen "arnés" (Rüstung/Harnisch), ein Erbe der spanischen Kolonialzeit.
- Eskrima (auch Escrima) – der geläufige Begriff in den Visayas, ebenfalls mit spanischen Wurzeln, von "esgrima" (Fechten).
- Kali – im Süden, auf Mindanao, verbreitet und heute besonders im Westen oft als Oberbegriff für die gesamte Kunst verwendet.
Wichtig dabei: Das ist eine Faustregel, keine feste Grenze. Die Übergänge sind fließend, viele Systeme mischen Elemente und je nach Lehrer, Schule oder Familienlinie (in FMA spricht man oft von sogenannten "Systemen" wie Doce Pares, Balintawak, Modern Arnis, Inayan oder Pekiti-Tirsia) kann derselbe Stil unter einem anderen Namen unterrichtet werden, unabhängig davon, aus welcher Region er ursprünglich stammt. Manche Praktizierende bevorzugen schlicht den Namen, unter dem sie ausgebildet wurden – auch wenn sie längst woanders leben und trainieren.
Was die Stile verbindet
Trotz der unterschiedlichen Namen und regionalen Prägungen teilen praktisch alle FMA-Systeme einen gemeinsamen Kern:
- Waffenbasiertes Training als Ausgangspunkt – meist anfänglich mit Rattanstöcken, oft in Doppelstock-Technik (Sinawali), später mit Messern, Karambit, Kubutan etc.
- Die Idee, dass Waffen- und Leerhandtechnik aus denselben Bewegungsprinzipien kommen ("Waffe ist Verlängerung der Hand, nicht umgekehrt")
- Fließende Übergänge zwischen Stock, Messer und leeren Händen
Diese Gemeinsamkeiten sind kein Zufall. FMA ist historisch eine praxisorientierte, an realen Auseinandersetzungen gewachsene Kampfkunst – zuerst gegen andere Stämme, Kolonialmächte, später im Alltag – und Prinzipien, die funktionieren, haben sich über die Inseln hinweg unabhängig voneinander durchgesetzt.
Was sich tatsächlich unterscheidet
Wo es dann doch Unterschiede gibt, liegen sie meist auf der Ebene einzelner Systeme, nicht der übergeordneten Namen:
- Manche Systeme legen den Schwerpunkt auf die Fähigkeit mit allen Waffen klar zu kommen, manche fokussieren sich auf Einzelstock, verschiedene Distanzen etc.
- Manche beginnen die Ausbildung mit vorgegebenen Formen / Mustern, andere setzen von Anfang an auf freies Sparring
- Manche legen mehr Gewicht auf Nahkampf und Ringen ("Dumog"), andere bleiben stärker auf Distanz mit der Waffe
Warum es für dich als Trainierende:n kaum eine Rolle spielt
Kurz gesagt: Mach dir über den Namen keinen Kopf. Entscheidend ist die Schule, der Lehrer ("Guro" oder "Maestro") und ob die Trainingsmethodik zu dir passt – nicht, ob draußen "Arnis", "Eskrima" oder "Kali" an der Tür steht. In der Community werden die Begriffe ohnehin meist synonym verwendet und viele erfahrene Praktizierende wechseln je nach Kontext zwischen ihnen oder betiteln es einfach als FMA – Filipino Martial Arts.
Bei FMA Champions verwenden wir bewusst alle drei Begriffe – in unseren Designs, Produktnamen und hier im Blog – weil sie alle zur selben Sache gehören: einer der faszinierendsten und praktischsten Kampfkünste der Welt.